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Spielen, das ist für viele Entspannung, das Prinzip vom „homo ludens“ geht sogar davon aus, dass der Mensch seine Fähigkeiten vor allem im Spiel entwickelt. Wenn es aber nicht mehr um das Gesellschafts- oder Geschicklichkeitsspiel, um das Vergnügen geht, sondern das Spiel zur Sucht wird, dann ist Hilfe vonnöten. Die Suchtberatung der Caritas in Haßfurt bietet diese Hilfestellung und bietet am Mittwoch, 26. September, zum bundesweiten Glücksspieltag einen offenen Beratungstag an.

Das gesamte Beratungsteam der Suchtberatung steht am Mittwoch persönlich vor Ort und auch am Telefon bereit, um Betroffene, aber auch Angehörige oder Freunde zu beraten. „Denn die Spielsucht und ihre Folgen belasten das direkte Umfeld so massiv wie kaum eine andere Sucht“, erklärte Andreas Waldenmeier in einem Gespräch mit unserer Redaktion im Vorfeld des Aktionstages.
Drei Berater hat die Suchtberatung der Caritas in Haßfurt. 327 Klienten haben sie im vergangenen Jahr beraten, 20 davon wegen Spielsucht. „Das scheint erstmal wenig, aber es wird mehr und belastender“, so die Beobachtung von Waldenmeier. 2016 waren er und sein Team mit 15 Fällen befasst. Und viele der Betroffenen haben enorme Schuldenberger aufgehäuft – oftmals im sechsstelligen Bereich. „Und damit ist dann oft die ganze Familie mit betroffen“, erklärt Waldenmeier. Deshalb liegt ein wesentlicher Fokus auch auf der Angehörigenarbeit.
Nach jeder Lotto-Werbung im Fernsehen kommt der Standard-Hinweis auf die Möglichkeit, dass Glücksspiel süchtig machen kann. „Dabei ist Lotto eher unproblematisch,“ erklärt Waldenmeier, weil die „Belohnung“ erst mit Verzögerung kommt. Automaten klingeln gleich und auch Sportwetten haben hohes Suchtpotential. Ebenso online-Spiele, die ebenso wie die abgedunkelte Welt der Spielothek den Spieler in eine andere Welt eintauchen lässt. Auch bezahlt wird digital und so geht der Bezug zum Wert des Geldes, das man schon verspielt hat, oft komplett verloren. Tausende könne man online wetten, quasi auf jede Sportart, „da ist überhaupt keine Schwelle mehr, über die man gehen muss“ erklärt der Fachmann.
Wie erkennt man nun, dass jemand in Gefahr oder schon spielsüchtig ist? Körperliche Symptome sind eher selten. Nur die finanziellen Probleme, die dann irgendwann auftauchen, sind ein Hinweis – dann ist es aber oft schon sehr spät. Nun sei gegen Spielen an sich – auch mal um Geld am Automaten – nicht viel einzuwenden, so Andreas Waldenmeier, doch wenn die Faszination des Spiels und eine psychische Instabilität aufeinandertreffen, dann ist der Sucht oft schnell die Bahn gebrochen. Die einen reagieren sich ab, die anderen suchen Selbstbestätigung „und die meisten einfach das schnelle Geld“, weiß er aus seinen Beratungen. Weil die Problematik zunimmt, sei man derzeit in der Beratungsstelle in der Konzeption einer Gruppe, die beispielsweise auf eine Therapie vorbereiten kann.
Viel Information gibt es unter www.verspiel-nicht-dein-leben.de. Zum Glücksspieltag am Mittwoch, 26. September, kann jedermann von 13.00 bis 16.00 Uhr bei der Suchtberatung in der Hauptstraße 73 in Haßfurt vorbei schauen, oder unter der 09521/6194883 anrufen.

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