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Seit dem 04.10.1999, demnach seit 20 Jahren, gibt es das Sozialpsychiatrische Tageszentrum der Caritas in der Innenstadt von Haßfurt.

Für viele psychisch kranke Menschen ist die Einrichtung ein wichtiger Halt, viele sind überzeugt, ohne das Team vom Tageszentrum nicht so selbstbestimmt leben zu können, wie sie es aktuell tun. Im Vorfeld des 20-jährigen Jubiläums am 10. Oktober, trafen sich einige Klientinnen des Tageszentrums mit dieser Redaktion zum (anonymisierten) Gespräch. Der Jubiläums-Artikel erscheint zum „Tag des psychisch kranken Menschen“, der von der WHO zum 10. Oktober ausgerufen wurde.

Das Tageszentrum ist im Amtsdeutsch eine „pflegesatzfinanzierte, tagesstrukturierende Einrichtung“, die vom Bezirk Unterfranken finanziert und vom Caritasverband für den Landkreis Haßberge e.V. betrieben wird.
Für die Klientinnen und Klienten aber ist es der Dreh- und Angelpunkt ihres Tagesablaufs. Drei der Besucher sind schon seit der Eröffnung 1999 in der Einrichtung. Diplom-Sozialpädagogin (FH) Birgit Hofmann-Betz in der Leitung und der Ergotherapeut Gerhard Kaim arbeiten ebenfalls seit 20 Jahren dort. Beide Mitarbeiter kümmern sich im Tageszentrum um Klientinnen und Klienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Schizophrenie, Depression, bipolaren Störungen, teilweise mit sekundärer Suchtproblematik.
Einigen Klientinnen und Klienten wird nach einem stationären psychiatrischen Klinikaufenthalt das Tageszentrum empfohlen. Es gibt aber auch andere Zugangswege, z.B. die Vermittlung von gesetzlichen Betreuern, dem Sozialpsychiatrischen Dienst oder Eigeninitiative.
In der Einrichtung findet ein ausführliches Aufnahmegespräch mit Abklärung aller Erfordernisse statt, bzw. werden von der Einrichtungsleitung die Aufnahmeanträge an den Kostenträger gestellt.

Im Wochenprogramm lernen die Klientinnen und Klienten ihre von der Krankheit versandeten Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder zu aktivieren, sie lernen eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise, sich sicherer in ihrem sozialen Umfeld zu bewegen.
Durch unterschiedliche kognitive, emotionale und soziale Tätigkeiten erhalten die Teilnehmer wieder Zugang und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie werden aus der Isolation geholt.

Herr C. W. ist seit 2 Jahren im Tageszentrum. Er ist sehr dankbar, dass sein Aufenthalt hier bewilligt wurde. Er ist für jedes Angebot offen: „Ich bin kein Sänger, aber ich mache auch beim Singen mit, denn ich habe gelernt, das verbessert die Atmung, die Stimmung, das Immunsystem usw.“, erklärt er im Gespräch.
Herr A. J. ist einer der drei Klienten, die schon seit der Eröffnung das Tageszentrum besuchen. Ihm hilft das Tageszentrum gegen die Einsamkeit - und er lässt sich von Birgit Hofmann-Betz auch immer wieder aus seiner Komfortzone holen. Hofmann-Betz ist nämlich immer auch bemüht, ihre Klientinnen und Klienten zu einem offensiven Umgang mit ihrer Krankheit zu ermutigen und mit verschiedenen Projekten das Stigma der Psychischen Erkrankung zu überwinden.
Und so gelang es, dass mit den Klientinnen und Klienten des Tageszentrums mehrere Bilder- und Krippenausstellungen durchgeführt wurden. Ein Tanzprojekt, ein Musikprojekt und ein Theaterprojekt wurde in der Haßfurter Stadthalle aufgeführt. Auch ein mehrjähriges Schulprojekt am Haßfurter Gymnasium wurde im Rahmen der Antistigmatisierungsarbeit vom Tageszentrum initiiert.
Aktuell konnte eine Teilnehmerin eine Dotierung für ihr Gemälde vom Erthal-Sozialwerk in Würzburg in Empfang nehmen, worüber sich die gesamte Einrichtung sehr freut.
Frau R. T. war erstmals 1997 den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes nicht mehr gewachsen, es wurde eine Depression diagnostiziert. Seitdem habe sich sowohl in der Behandlung als auch im gesellschaftlichen Umgang mit Depression viel verändert, erzählt sie. Die Frühverrentung traf sie hart. Im Tageszentrum fühlt sie sich aufgehoben. Das ganzheitliche Konzept spricht sie an.

Das Tageszentrum beschäftigt mit Frau Silvia Hoppert als weitere Mitarbeiterin auch eine Hauswirtschafterin, die die Klientinnen und Klienten im lebenspraktischen Bereich umfangreich anleitet im Bereich Küche und Hauswirtschaft. Damit soll zur Verselbständigung und Unabhängigkeit beigetragen werden.

Herr V. B., ebenfalls ein langjähriger Klient, ist überzeugt: „Ohne Tageszentrum ginge es mir gesundheitlich sehr viel schlechter“. Nicht nur, weil zum Programm der Einrichtung auch die achtwöchige Facharztvisite gehört. Im Wissen, dass das Gegenüber weiß, wie es einem geht, fällt auch das Gespräch leichter.“

„Viele psychisch Kranke stehen gar nicht mehr aus dem Bett auf, verpassen Arzt-Termine, vernachlässigen ihre Körperhygiene und generell sich selbst“, erklärt Birgit Hofmann-Betz. Das Tageszentrum helfe ihnen zu einem gewissen Maß an Normalität. Das Tageszentrum wolle die Lebensqualität erhöhen, Stabilität erzeugen. Das bestätigt auch Herr N. H.: „Ich ziehe mich gern am Nachmittag zurück, aber die vier Stunden im Tageszentrum sind wichtig für mich. Ich bin sicher, ohne das Tageszentrum hätte ich schon einige Klinikaufenthalte mehr hinter mir“. Und Frau R. T. genießt das Miteinander, denn „durch die Krankheit ist man selbst sein größter Feind. Hier treffe man Menschen, die wissen wie es einem geht. Hier wird der Gesamtzustand mit den Mitarbeitern kommuniziert. Hier kann man durch umfangreiche psychoedukative Themen wie: Ängste überwinden, Stressreduktion, Achtsamkeit, richtiger Umgang mit Medikation usw., viele wichtige Dinge lernen. Dinge, die zu einem gehaltvolleren Leben beitragen und die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.“

Im Laufe der 20 Jahre konnte Birgit Hofmann-Betz vier Klienten als weiteren Entwicklungsschritt in das Rehabilitations- und Arbeitswerk nach Schweinfurt vermitteln, drei Personen in Zuverdienstprojekte.

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