header

Den Jahreswechsel schließen wir in der stationären Altenpflege mit sehr wechselhaften Gefühlen.

Einerseits sind wir traurig und niedergeschlagen, weil uns das Corona-Virus nun doch noch in unserem Haus Sankt Bruno, Haßfurt, getroffen hat.

Andererseits sind wir in Hochstimmung, weil die Impfungen in unseren Caritas Hausgemeinschaften St. Anna, Hofheim, schon am 27.12. begonnen haben. Inzwischen sollten dort etwa 45 Personen (Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende) geimpft sein – übrigens alle ohne erkennbare Nebenwirkungen

Für unser Caritas Altenservicezentrum St. Martin, ebenfalls Hofheim, steht der erste große Impftermin am Samstag, 02.01.2021. an. Darauf freuen wir uns zu Jahresbeginn sehr.

Was uns aber zwischen diesen Gefühlspolen verängstigt, sind die großen Besucherzahlen in unseren Altenpflege-Einrichtungen.

Von unseren Mitarbeitenden aus allen vier Häusern möchte ich mitteilen, dass sehr viele es nicht verstehen, warum nicht mit dem Lockdown auch eine stärkere Kontaktbeschränkung in der stationären Altenpflege verfügt wurde. Einige unserer Mitarbeitenden sind – offen gesagt - auch richtig gehend wütend. Sie haben sich persönlich über so lange Zeit so stark diszipliniert, um das Risiko, das Virus ins Haus zu bringen, zu reduzieren. Gleichzeitig mussten sie mit ansehen, wie regelrechte Besucher- und Abholströme sich ungemindert fortsetzten und fortsetzen – trotz extrem hoher Inzidenz.

Anders, als oft berichtet, stellen wir fest – und das mit Zahlen hinterlegt -, dass Besuche in der Altenpflege nicht abgenommen haben. Nachdem wir jeden Besuchskontakt dokumentieren, können wir dies auch zahlenmäßig belegen. Mit der Einführung der PoC-Antigentests haben die Besuche in der Pflege sogar noch zugenommen. Das ist überaus bedenklich, weil ein Antigentest ja nur die stark Infektiösen anzeigt und oft eben falsch negativ ist.

Wenn ich mir diese Besucherströme gerade jetzt, in der letzten Zeit, in allen unseren Häusern vor Augen führe, kann ich das Unverständnis und – ja – die Wut und Enttäuschung unsere Mitarbeitenden in der Pflege sehr gut nachvollziehen.

Wir testen zwar jeden einzelnen Besucher und auch andere Externe, aber das sind eben nur Antigentests. Und: Zu dem, was von den Schutzmaßnahmen mitunter noch übrig bleibt, wenn wir den Blick abwenden, können wir leider Bücher schreiben. Viele Besucher verhalten sich Risiko bewusst und vernünftig; nicht Wenige aber leider eben nicht.

Ich bitte daher alle Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen eindringlich darum, gerade jetzt  - so kurz vor einem Impfschutz - jeden einzelnen physischen Besuch in einer Pflegeeinrichtung und bei einem pflegebedürftigen Hochaltrigen genauestens zu hinterfragen.

Sterbende Bewohner sind hiervon selbstverständlich ausgenommen in unseren Häusern; wir haben es bisher immer hingekriegt, dass ein Besuch bei einem absehbar sterbenden Bewohner möglich ist.

Es geht jetzt um etwa vier Wochen, vielleicht fünf oder sechs – ja nach Verfügbarkeit des Impfstoffes. In diesen wenigen Wochen werden wir mit der Impfung viel Schutz schaffen können. Aus unserer Sicht wären stärkere Reglementierungen mit Blick auf die hohen Inzidenzraten, die hohen Sterberaten von Hochaltrigen und vor allem mit Blick auf den baldigen Impfschutz derer, die ihn wünschen, dringend angezeigt und auf jeden Fall auch verhältnismäßig. Zum Schutz aller – v.a. der Bewohner –, aber eben auch aus Respekt vor den Pflegekräften, die sich seit Monaten gegen das Virus stemmen und ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familien riskieren.

Ich bitte alle Verantwortlichen aus der Landespolitik inständig, rasch tätig zu werden – es stehen in den nächsten Tagen neue Entscheidungen dazu an. Schon jetzt häufen sich die vermehrten Positivmeldungen aus den Lockerungen rund um Heiligabend und Weihnachten.

Solange es aber keine stärkeren Begrenzungen zum Besuch in stationären Altenpflegeeinrichtungen gibt, appelliere ich an alle Angehörigen, physische Besuche gerade in diesen nächsten Wochen sehr stark einzuschränken.

Im Moment fühlt sich die Pflege sehr im Stich gelassen. Ich habe Angst vor den Konsequenzen, die einige spätestens nach der Pandemie treffen werden. Viele gehen jetzt noch nicht: der Kapitän verlässt bekanntlich nicht das sinkende Schiff. Viele haben aber konkrete Schritte zum Ausstieg danach schon geplant. Das liegt nicht an der Pandemie, das liegt an den Rahmenbedingungen, die sie verarbeiten müssen und die sich in den letzten Tagen und Wochen nochmals deutlich verschlechtert haben.

Mit meinen Wünschen für 2021 möchte ich schließen. Es sind drei - wie im Fall der guten Fee:

  • Ich wünsche uns Mut bei den politischen Verantwortungsträgern, weiterhin und verstärkte Schutzmaßnahmen – vor allem auch für die Hochaltrigen in Dauerpflege – einzuziehen.
  • Ich wünsche uns die zügige Fortsetzung der Impfungen in den Pflegeheimen und eine hohe Impfbereitschaft unter Bewohnern und Mitarbeitenden.
  • Ich wünsche mir Zurückhaltung bei den Besuchen in stationären Altenpflege in den nächsten Wochen  - vor allem in St. Martin und St. Anna, Hofheim!

Anke Schäflein, Geschäftsführerin
Caritasverband für den Landkreis Haßberge e.V.

­