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Sie fragen sich in diesen Tagen vielleicht: Wie passt das Nein der Caritas zum ver.di-Tarifvertrag Altenpflege zu dieser christlichen Organisation, die für Nächstenliebe steht? Fakt ist: Die Caritas engagiert sich seit Jahren dafür, dass Bezahlung und Arbeitsbedingungen in der Pflege besser werden – nicht nur bei der Caritas.

Der Gesetzgeber verlangt, dass die Arbeitsrechtliche Kommission der Caritas (und übrigens auch der Diakonie) zustimmen muss, damit ein Tarifvertrag in der Altenpflege für allgemeinverbindlich erklärt werden kann. In dem Gremium gab es die Sorge, dass aufgrund dieses Einheits-Tarifvertrags die guten Löhne und Arbeitsbedingungen bei der Caritas damit zukünftig von den Kostenträgern infrage gestellt werden. Das erlebten wir schon einmal. Seinerzeit orientierten sich die Pflegesatzverhandler, mit denen wir unsere Pflegesätze in der vollstationären Pflege verhandeln müssen, am „unteren Drittel“ der Pflegesätze. Das bedeutete, nur die, die niedrig vergüten, sind in der Berechnung mit drin. Der Träger, der höher vergütet, hat dann ein Problem, das er letztlich nur über die Herabsetzung von Gehältern oder aber mit einem dauerhaften Defizit lösen kann. Damit ist dem Lohndumping nach unten Tür und Tor geöffnet worden. Erst nach langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzungen wurde das von Gerichten zurecht gerückt: Ein Kostenträger (also Pflege- und Krankenkassen, Bezirk) muss die Tarifkosten eines Pflegeanbieters anerkennen und darf diese nicht als „unwirtschaftlich“ ablehnen. So ist uns das nämlich seinerzeit geschehen. Unser Tarif wurde uns als unwirtschaftlich eingeordnet, weil er eben weit überdurchschnittlich war und ist.

Wir fürchten also – aufgrund früherer Erfahrungen -, dass sich die Pflegekassen bei der Refinanzierung auf diesen niedrigen Standardtarif beziehen würden. Die Caritas beschäftigt in der Altenpflege 170.000 Menschen und wir wollen, dass sie weiterhin fair entlohnt werden. Der ver.di-Tarifvertrag Altenpflege legt Minimal-Standards bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen in der Altenpflege fest – keine Überstundenregelungen, keine betriebliche Altersvorsorge, keine Zuschläge für Nacht- oder Sonntagsarbeit …

Wir meinen: Hätte der allgemeinverbindliche Tarifvertrag für die Pflege auf Caritasniveau gelegen (Vergütungshöhe, Arbeitszeit, Zulagen, Zuschläge Urlaubsansprüche, betriebliche Altersversorgung, etc.), hätte die Arbeitsrechtliche Kommission sicherlich zugestimmt.

Diesem aber nicht. Pflege verdient mehr.

Wir schlagen als verbandliche Caritas stattdessen eine andere Lösung vor, die aus unserer Sicht deutlich vielversprechender und fairer wäre. Die Pflege- und Krankenkassen sollten nur noch mit den Pflege-Anbietern abrechnen und nur noch solche Pflege-Anbieter anerkennen, die über einen Tarifvertrag verfügen und diesen anwenden.

 

Das könnte der Gesetzgeber umsetzen. Und das würde sehr viel mehr für die faire Vergütung vor allem all jener bewirken, die bei privaten Pfleganbietern arbeiten, die keinerlei Tarifwerk anwenden oder aber sog. „Haustarife“.
 
Außerdem setzen wir uns auch für eine umfassende Reform der Pflege ein: Es geht um die Finanzierung der Pflegeversicherung, gute Pflegeausbildung, Anerkennung der Leistung von pflegenden Angehörigen, gute Arbeitsbedingungen in der Pflege – übrigens auch für ausländische Pflegekräfte im Privathaushalt …

Ein weiteres sehr wichtiges Ziel für uns: Pflegebedürftigkeit darf kein Armutsrisiko sein! Wir setzen uns seit Jahren für eine sozialverträgliche Deckelung der Kosten für die Pflegebedürftigen ein und werden weiter darum kämpfen.

Somit: Auch wenn Sie die Entscheidung zum ver.di-Tarifvertrag Altenpflege irritiert hat: seien Sie versichert, dass Pflegekräfte der Caritas  überdurchschnittlich vergütet werden, sie uns wichtig sind und wir uns weiterhin für sie einsetzen – auch wenn das mitunter sehr unbequem ist.

Ihre Caritas bleibt die, die Sie kennen: sie betreut, pflegt, berät, unterstützt und begleitet, in Deutschland und im Ausland; sie engagiert sich für eine solidarische Gesellschaft und setzt sich für die Schwächsten ein.

 

Campact-Aufruf gegen die Caritas: wichtiges Thema, falscher Adressat
Die Plattform Campact ruft seit dem 17. März 2021 zu einer Aktion gegen die Caritas auf. Die Organisation will „den Ärger um die Caritas noch verstärken und die Tarifentscheidung ins Wanken bringen”. Lesen Sie hier mehr dazu...

 

Hier finden Sie weitere Infos und Hintergründe zum Thema und zur Position der Caritas:

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