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Was aus politischer Sicht als Meilenstein für mehr Spielerschutz beschrieben wird, ordnet Andreas Waldenmeier, Bereichsleiter der Caritas-Beratungsstellen Sozialpsychiatrischer Dienst und Suchtberatung als erhöhtes Risiko für Spielsüchtige bzw. Spielsuchtgefährdete ein.

Das Online-Glücksspiel war bislang eine juristische Grauzone. Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag sollen Spieler nun besser geschützt werden. Am 1. Juli 2021 trat dieser nun in Kraft. Insbesondere bislang verbotene, aber zum Teil geduldete Online-Glücksspiele sind nun legal. Der neu geschaffene Rechtsrahmen soll verlässlich sein und eine sichere Alternative zu den unzähligen Schwarzmarkt-Angeboten bieten. Und der Staat erhält so auch mehr Steuereinnahmen, die ihm bei den illegalen Glücksspielangeboten aus dem Ausland bislang verloren gingen.

Suchtberater Andreas Waldenmeier befürchtet aber vor allem: „Eine insgesamt erhöhte und besonders einfache Verfügbarkeit von Onlinecasinos und anderer Angebote führt zu neuen Risiken der Suchtentwicklung, -aufrechterhaltung und Rückfallgefährdung. Die in diesem Zusammenhang vorgeschlagenen Regulierungen des Spielerschutzes greifen nicht oder zu kurz.“

Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag werden in ganz Deutschland Online-Casinos legal, verbunden mit einer zentralen Sperrdatei für abhängige Zocker, einem monatlichen Einzahlungslimit sowie einer zentralen Aufsichtsbehörde. Die Landesstelle Glückspielsucht in Bayern kritisiert das Gesetz in ihrer Pressemitteilung vor allem für die festgelegte Summe von 1000€ für: Zum einen handelt es sich nicht um die Grenze des eingesetzten Geldes, sondern um den monatlichen Gesamtverlust. Ein Verlustlimit von 1.000 € ermöglicht ein exzessives Spielverhalten, das mit einer massiven Suchtgefährdung einhergeht. Mit diesem Limit werden somit hochgefährliche Spielmuster erlaubt bzw. legitimiert. Zum anderen handelt es sich um eine beträchtliche Summe Geldes, die einen erheblichen Anteil des zur Verfügung stehenden Lebensunterhalts umfassen und bei entsprechend geringem Einkommen eine Person oder eine Familie massiv finanziell gefährden kann. Hierbei muss außerdem bedacht werden, dass Glücksspielende häufig sowohl online als auch terrestrisch spielen, also zu den 1.000 € oftmals weitere Verluste hinzukommen.

Jugendsuchtberaterin Dorothee Walter sieht zudem noch eine weitere Gefahr, insbesondere bei jüngerem Klientel: „Werbung für Glücksspielangebote spricht häufig besonders Jugendliche und junge Erwachsene - eine besonders gefährdete Gruppe - an, verstärkt die Illusion von schnellen Gewinnen und blendet Suchtgefahren aus. Das Verhalten erscheint risikolos, sozial akzeptiert und der Norm entsprechend zu sein.“

Bisher mussten sich exzessive Spieler, die den Absprung schaffen wollten, bei jedem einzelnen Anbieter sperren lassen. Das wird sich nun ändern. Das Prinzip der zentralen Sperrdatei ist ein wichtiges Instrument zur Prävention. Doch die Dauer der Sperre von einem Jahr greift für Andreas Waldenmeier zu kurz: „Bei den selbst- und fremdgesperrten Personen handelt es sich in der Regel um hochgefährdete oder bereits abhängig Glücksspielende. Ein Jahr Sperre greift insbesondere bei bereits manifest Süchtigen zu kurz“.

Online kann man schnell tausende von Euro verzocken, dabei fängt es häufig harmlos an. Hier mal 20 Euro einsetzen, dort mal eine Willkommens-Gutschein über 50€ einlösen. Wann schlägt gelegentliches Glücksspiel in gefährdetes Verhalten um? Woran erkenne ich riskantes Verhalten oder gar eine Spielsucht?

Betroffene vernachlässigen ohne ersichtlichen Grund ihr Umfeld und haben sehr oft keine Zeit. Sie leihen sich häufig Geld innerhalb der Familie oder dem Freundeskreis.Viele leiden unter Stimmungsschwankungen und werden unzuverlässig, belügen ihr Umfeld, um so das Spielverhalten geheim halten zu können.

Kriterien einer pathologischen Spielsucht sind:

  • Das unwiderstehliche Verlangen immer wieder spielen zu müssen
  • Verlust der Kontrolle, der Süchtige kann nicht mehr aufhören zu spielen
  • Die gewünschte Erregung kann nur durch immer höher Einsätze erreicht werden
  • Wird das Spielen eingeschränkt, treten Gereiztheit und Unruhe auf
  • Der Missbrauch wird fortgesetzt, obwohl die Folgeprobleme bekannt sind
  • Hoher Zeitaufwand für die Beschaffung von Geld und die Planung von Spielunternehmungen
  • Die Betroffenen versuchen, auch auf illegalem Weg, an Geld zu kommen

Hilfe und Unterstützung vor Ort: Caritas-Suchtberatung, Promenade 37 in Haßfurt; Tel.: 09521/926-550
Online-Beratung gibt es unter www.caritas.de/onlineberatung und unter www. playchange.de (Landesstelle Glückspielsucht Bayern)

 

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