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Die interkulturelle Woche fand dieses Jahr, unter entsprechenden Corona-Bedingungen, wieder in Präsenz statt. Ausgestellt wurden Kunstwerke der Geflüchteten, Produkte des Modelabels „traditela“ und die Bilderausstellung „Pictures of Moria“
von Alina Heidenreich

Ebern - #offen geht – Kunst kennt keine Barriere. Unter diesem Motto stand die interkulturelle Woche, die vom 30.09.2021 bis zum 02.10.2021 in der Xaver-Mayr-Galerie stattfand.  Jana Balling und Thomas Heidenreich vom Caritasverband Haßberge stellten in Zusammenarbeit mit Siza Zaby, Integrationslotsin für den Landkreis Haßberge, dem Bayerischen Roten Kreuz und dem Asylhelferkreis Ebern ein vielfältiges Programm auf die Beine. Ehrenamtlich unterstützt wurde die Veranstaltung außerdem von Wolfgang Aull und Fritz Hering.

Landrat Wilhelm Schneider blickte in seiner Begrüßungsrede auf die vergangenen Jahre zurück. Der Landkreis Haßberge hat vielen Flüchtlingen die Gelegenheit zum Ankommen gegeben. Dies war vor allem durch den engen Austausch aller Beteiligten möglich, die die Geflüchteten in allen individuellen Anliegen tatkräftig unterstützen. Sein Dank galt besonders allen Künstlerinnen und Künstlern, die diese Ausstellung durch ihre Kunstwerke, Bilder und Produkte gestaltet haben.

Bürgermeister Jürgen Hennemann betonte, dass Ebern durch die Flüchtlinge zu einer vielfältigeren Stadt geworden ist. Von Anfang an stand die Integration der Menschen im Mittelpunkt. Dies geschah unter anderem durch Projekte wie den Garten der Freundschaft. Brachliegende Kleingärten werden von Flüchtlingsfamilien betrieben und blühen wieder neu auf. Abschließend würdigte er die enge und engagierte Zusammenarbeit mit hauptamtlichen Beratungs- und Integrationsdiensten sowie mit dem Asylhelferkreis Ebern.

Zu bewundern waren unterschiedliche Produkte des Modelabels „traditela“, das im Jahr 2019 von den Schwestern Katharina und Theresa Rudolph gegründet wurde. Für ihre Taschen, Portemonnaies und Fliegen benutzen sie Stoffe aus Bayern, Valencia und aus Schottland. Gerechter Umgang mit den Menschen ist für die Jungunternehmerinnen das höchste Gut. Deshalb werden die Produkte in ihrer Heimat Franken in Zusammenarbeit mit Geflüchteten hergestellt.

Darüber hinaus zeigte die Ausstellung „Pictures of Moria“ unterschiedliche Kunstwerke. Geflüchtete bekommen die Möglichkeit, ihre Kunst und sich selbst darzustellen.  In den Bildern versuchen sie ihre Fluchterlebnisse und Erfahrungen im Flüchtlingscamp Moria zu verarbeiten, erklärt Irene Ganzhorn, die als freiwillige Helferin selbst in Moria war. Im Fokus stand ein Originalbild, das einen Tag nach dem verheerenden Brand im Camp Moria entstand.

Diese Bilder wurden durch einen persönlichen Erfahrungsbericht von Jella-Charlotte Lamken ergänzt. Sie war Im Jahr 2019 und 2020 für die Nichtregierungsorganisation „Lighthouse Relief“ an der Nordküste Lesbos tätig. Sie blickte vor allem auf die Empfangnahme der überfüllten Boote zurück, darauf wie sie die Menschen in die Camps brachten und oft mit Händen und Füßen mit ihnen kommunizierten, bevor sie nach Moria weiterverteilt wurden. Ergänzt wurde der Vortrag durch die persönlichen Erlebnisse Said Herawis. Er kam ebenfalls mit einem Schlauchboot an der Nordküste Lesbos an und wurde dann nach Moria verteilt. Mittlerweile wohnt er im Landkreis Haßberge.

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung durch Thomas Heidenreich (Gitarre und Gesang), Ralf Hälterlein (Keyboard und Gesang) und Herbert Schmitt (Gitarre und Gesang) sowie durch die beiden afghanischen Musiker Saeid Herawi und Fazl Ahmad Herawi.

Im Obergeschoss der Xaver-Mayr-Galerie waren imposante Kunstwerke zu bewundern. Flüchtlinge aus dem Landkreis Haßberge stellten hier ihre Bilder, Gemälde und Stickereien aus und zeigten der Öffentlichkeit, welches Talent in ihnen steckt. In ihren Bildern verarbeiten die Künstlerinnen häufig ihre Gedanken und Erinnerungen an ihr Heimatland.

Den Abschluss bildete Karl-Heinz Krebs mit seinem Vortrag über Friedrich-Rückert. Der Dichter lernte durch seine Reisen die unterschiedlichen Kulturen kennen und erweiterte seine Fremdsprachenkenntnisse. Er beherrschte 44 Sprachen, unter anderem kurdisch, armenisch und arabisch. Daraus formulierte er die Erkenntnis: „ohne Sprache ist keine Verständigung zwischen den unterschiedlichen Kulturen möglich.“

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